Frau im Schnee von hinten, Heldin

Drei Heldinnen, die du einfach kennen musst

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Immer wieder gebe ich meinen Leser*innen Anregungen zur Selbstliebe und Selbstbehauptung. Für mich ist beides gleichzusetzen, denn meiner Meinung nach zeigen wir am besten, dass wir uns selbst lieben und wertschätzen, wenn wir auch einmal laut Nein sagen zu Erwartungen anderer, für die wir uns verbiegen müssten.

Auch mein Blick auf Bücher ist davon geprägt: die Frauen, die ich euch hier vorstellen möchte, sind sich selber treu, stark, zweifeln auch an sich, scheitern, lernen, stehen wieder auf. Ich strebe danach, Bücher vorzustellen, die positive, bestärkende „Role Models“ für Mädchen und Frauen sind. Bücher, in denen dies nicht der Fall ist, versuche ich so zu kritisieren, dass die Leser*innen hoffentlich verstehen, dass uns das darin enthaltene Frauenbild schwach dastehen lässt, abhängig, nicht gleichwertig – und dass das nicht okay ist.

Der eigene Wille zählt

Viele Bücher, die im Moment auf dem Markt sind, erzählen Liebesgeschichten von Frauen in finanzieller Bedrängnis, die manchmal traumatisiert und hilflos sind. Ihnen gegenüberstehen dominante Männer, die sie klein halten.

Wenn es eine gelebte S/M Beziehung ist zwischen Menschen, die das willentlich, bei voller geistiger Gesundheit und mit Safe-Wörtern eingehen, ist es für mich völlig fein. Aber wenn es um junge Mädchen geht, die nicht wissen, was geschieht und Schutz suchen, ist das nicht Liebe, sondern Grausamkeit.

Dies vorab, nun Vorhang auf für meine Heroinen:

Lady Alexia Tarabotti

Aus Gail Carrigers viktorianischen Fantasyromanen, beginnend mit Glühende Dunkelheit – insgesamt 5 Bände, erschienen im Blanvalet Verlag.

Warum gerade sie? Lady Alexia lebt in einem viktorianischen England, in dem Werwölfe und Vampire normale Teilnehmer jeder Gesellschaft sind – zu unterschiedlichen Tag- bzw. Nachtzeiten natürlich. Eine Ehe mit beiden Spezies erscheint erstrebenswert, sind doch beide sehr langlebig und häufig dadurch vermögend, haben über Rudel beziehungsweise Stock (wie Vampirhäuser üblicherweise heißen) hervorragende gesellschaftliche Netzwerke und sind einfach aufregender als der durchschnittliche „Normal-Mann“.

Alexia ist mit ihren 20+ Jahren noch unverheiratet, weil sie laut der Frau Mama einen italienischen Teint von ihrem verstorbenen Vater geerbt hat und außerdem dazu neigt, ihre Meinung zu sagen und nicht bescheiden mit gesenkten Wimpern heiratswillige Herren anzublinzeln. Somit ist sie steter Quell der Unfreude für Mama, Stiefvater und ihre zwei äußerst heiratswilligen Stiefschwestern. Bis Lord Maccon, seines Zeichens mächtigster Werwolf Englands, sich von ihrem energischen Kinn, ihrer Art, einen Sonnenschirm als Vampirabwehr zu schwingen und ihrer absoluten Unwilligkeit, ihm zu gehorchen, unwiderstehlich angezogen fühlt.

Alexia wird immer mehr zur Heldin.

Eine Liebesgeschichte entwickelt sich und wird in den weiteren Büchern ausgebaut, während Alexia immer mehr zur Heldin nach meinem Geschmack wird: ehrlich, klug, sarkastisch, strategisch denkend, sich selbst zur Wehr setzend (ob nun mit spitzer Zunge gegen elterliche Erwartung, mit erwähntem Sonnenschirm oder schlicht dadurch, dass sie befreundet ist, mit wem sie will, ohne an gesellschaftliche Konventionen zu denken).

Ganz anders als die Frauen im zweiten Buch, das ich euch warm ans Herz lege:

Die Schwestern Nell und Eva

Aus Jean Heglands Die Lichtung, erschienen im Fischer Verlag.

Nell und Eva leben mit ihrem Vater in einem Haus am Waldrand mitten im Nirgendwo. Immer häufiger fällt dort der Strom aus, Flugzeuge fliegen seltener über sie hinweg, der nächste Lebensmittelladen bietet nur noch fast leere Regale und es mehren sich die Gerüchte, dass das nur der Anfang war.

Die beiden Schwestern haben eigentlich große Pläne – eine will wegziehen, um zu studieren, die andere in die Fussstapfen der verstorbenen Mutter treten und eine berühmte Ballerina werden. Doch wenn keine Autos fahren, die Post nicht mehr existiert und an Internet nicht zu denken ist, sind diese Pläne obsolet.

Die beiden warten nicht auf Helden.

Die Schwestern inventarisieren das Haus, setzen sich mit Wildkräutern auseinander, erobern den Garten von der Wildnis zurück, lernen zu jagen und zerstampfen Eicheln für Mehl. Sie entwickeln sich hin zu Macherinnen, handeln pragmatisch, warten nicht auf Helden – und haben damit mein Herz erobert. Auch als die Handlung sich zuspitzt, habe ich mir kaum Sorgen um sie gemacht, weil ich auf ihre neu gefundenen Fähigkeiten vertraut habe.

Schlussendlich ist Heldentum für mich nicht das Fehlen von Angst, sondern das Handeln, um sich oder andere zu retten und zu beschützen, obwohl man Angst hat.


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Franziska kommt aus München und schreibt regelmässig auf ihrem Blog www.franzi-liest.de, einem Literatur- und Lifestyleblog. Auf ihrer Seite findet ihr jede Woche neue Buchvorstellungen, Lifestyle- und Reisetipps aus München, dem bayrischen Umland, Italien, Franzis anderen Ausflügen sowie Anregungen zur Selbstliebe und Selbstbehauptung.

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