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Fahrrad vor blauer Tuer

Rezension: Das Leben ist gut

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„Man lasse sich von der Vitalität dieses Buches anstecken. Gleich lebt es sich besser“, schrieb Beatrice Eichmann-Leutenegger in der Neuen Zürcher Zeitung. Treffender könnte ich den neusten Roman vom Schweizer Autor Alex Capus nicht beschreiben.

Das Leben ist gut ist eine völlig alltägliche Geschichte. Über die gesamte Zeitspanne hinweg passiert fast nichts – und doch steckt so viel Liebe und Lebensfreude darin.

Die Freuden und Leiden des Alltags

Genauer erzählt Capus in Das Leben ist gut aus dem Leben von Max und Tina. Die beiden sind seit 25 Jahren verheiratet und leben ihren völlig gewöhnlichen Alltag zusammen mit ihren Kindern, bis Tina wegen der Arbeit für ein Jahr nach Paris geht.

Es ist das erste Mal seit Jahren, dass die beiden getrennt sein werden. Die Geschichte beginnt am letzten Abend vor Tinas Abreise. Auf diesen allerersten Seiten versteckt sich direkt eine der schönsten Passagen des Romans:

„Jemand wird für dich die Glühbirnen auswechseln müssen. Wer soll das tun, wenn ich nicht da bin?“, sorgt sich Max. „Ich werde im Hotel wohnen“, antwortet Tina. „Auch in Hotels wechselt man Glühbirnen.“

Diese banale Diskussion geht weiter, bis Tina schliesslich verspricht, sich von niemandem die Glühbirnen wechseln zu lassen und stattdessen ihren Mann anzurufen, falls eine kaputtgeht.

Tina reist also ab und Max bleibt zurück, allein mit seinen Kindern und seiner Bar, der „Sevilla-Bar“. Und dann passiert erst einmal nichts. Das Leben geht weiter.

Ein Erzähler mit Herz

Am Anfang habe ich die ganze Zeit darauf gewartet, dass Tina am ersten Wochenende nach Hause kommt. Aber wie gesagt, erstmal bleibt (fast) alles beim Alten. Max lebt sein Leben weiter, geht auch ohne Tina das Altglas von der Bar entsorgen und bewirtet die gleiche Stammkundschaft wie jeden Tag.

Und das ist der ganze Zauber von Das Leben ist gut. Man schliesst den Erzähler Max sofort ins Herz. Der leidenschaftliche Barkeeper mag Gewohnheiten und Routine. Friedlich und ganz gemütlich geht er durchs Leben und öffnet uns Leser*innen die Augen für die kleinen Freuden im Alltag.

In unserer gestressten Welt, wo wir alle immer noch mehr machen und noch schneller sein wollen, ist das ruhige Leben von Max einfach nur erfrischend. Er liebt das Leben und er liebt seine Frau – was will man mehr?

Ein ganz gemütliches Buch

Wenn ich Das Leben ist gut mit einem Wort beschreiben müsste, dann wäre dieses Wort „gemütlich“. Es passiert nicht viel, man braucht sich also von der Handlung nicht gestresst zu fühlen. Und trotzdem wird es nie langweilig.

Capus‘ Stil ist angenehm leicht zu lesen und besonders seine Hauptfigur Max ist ihm sehr gut gelungen. Alex Capus hat mit Max einen wundervollen Ich-Erzähler geschaffen, der uns mitnimmt in sein entspanntes, einfaches Leben.

Max ist zufrieden. Und so hat Das Leben ist gut hat auch mich zufriedener gemacht, denn das Leben ist gut.


Das Leben ist gut kaufen

Das Leben ist gut von Alex CapusDas Leben ist gut von Alex Capus ist 2016 bei Hanser erschienen.

Erscheinungsdatum: 22.08.2016

Seitenzahl: 240

Bei Orell Füssli kaufen: Fr. 14.90

 


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Ich bin die Gründerin von The Zurich Review. Im Anglistik-Studium habe ich Literatur gehasst; meine Leidenschaft dafür habe ich erst nach all der Pflichtlektüre wiederentdeckt. Wenn ich nicht lese, dann tanze ich, und zwar Irish Dance.

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