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Ari and Dante

Rezension: Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe

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Wieder geht es um zwei Jungs, um die Freundschaft und Liebe zwischen ihnen. Ja, Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe hat gewisse Ähnlichkeiten mit They Both Die in the EndBeides sind Jugendromane mit LGBTQ-Themen, beide haben zwei junge, männliche Protagonisten.

Doch in dieser Rezension möchte ich mich auf Aristotle (Ari) und Dante konzentrieren, die zusammen die Geheimnisse des Universums entdecken. Das Buch wurde von Benjamin Alire Sáenz geschrieben und 2012 veröffentlicht. Seither wurde es in Blogs und auf Youtube auf- und ab gehypet – zu recht, finde ich.

„How could I have ever been ashamed of loving Dante Quintana?“

Erzählt wird die Geschichte ausschliesslich vom Ich-Erzähler Ari. Wir lernen ihn als zurückgezogenen, jungen Amerikaner mit mexikanischem Ursprung kennen. Ari hat, wie er selbst sagt, weniger Freunde als seine Mutter, und das macht ihm zu schaffen, bis er eines Tages Dante trifft. Er beschreibt es so:

I was mostly invisible. I think I liked it that way. And then Dante came along.

Doch Ari muss erstmal lernen, wie man ein guter Freund ist. Das gelingt ihm am Anfang herzlich schlecht. Immer wieder regt er sich über Dantes grenzenlos liebe und freundliche Art auf, antwortet nicht auf seine Briefe und ist, alles in allem, kein besonders guter Freund.

Dante ist da ganz anders: Er weiss von Anfang an, wie viel ihm Ari bedeutet und verhält sich dementsprechend. Dante verehrt Ari; er will möglichst viel Zeit mit ihm verbringen. Doch Ari kommt mit so viel Zuneigung zunächst gar nicht klar.

Erst als Dante mit seiner Familie für ein Jahr in eine andere Stadt zieht, merkt Ari, wie sehr er ihm ans Herz gewachsen ist – auch wenn er sich das selbst erst viel später eingestehen kann. Doch am Ende weiss Ari: Er liebt Dante Quintana, und dafür braucht er sich nicht zu schämen.

Ein selbstverständliches Coming-Out

Dante weiss, anders als Ari, schon früh, dass er auf Jungs steht. Immer wieder sagt er, dass er lieber Jungs küssen möchte. Ari kümmert das am Anfang herzlich wenig. Für ihn macht es keinen Unterschied, wen sein bester Freund küssen will.

Dieser selbstverständliche Umgang mit Dantes „Coming-Out“ ist beispielhaft: Genau so sollte es sein. Ein Coming-Out sollte weder eine Sensation sein noch ein Drama, es soll einfach eine Tatsache sein, die man über den anderen erfährt. Im Grunde ist nichts Spezielles daran, auf jeden Fall nicht mehr als wenn ich sage: „Ich bin verheiratet“ oder „Ich bin single“.

Das Coming-Out hat aber noch eine Seite, und zwar die innere. Sich bei Freunden und Bekannten zu outen, ist eine Sache, doch zuerst muss man sich bei sich selbst outen. Das heisst, man muss merken und sich selbst eingestehen können, dass man anders ist. Damit hat vor allem Ari grosse Mühe und schlussendlich sind es ausgerechnet seine Eltern, die ihm die Augen öffnen.

Ari, the problem isn’t just that Dante’s in love with you. The real problem – for you, anyway – is that you’re in love with him.

Must-Read, auch für Erwachsene!

Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe ist kein Buch wie jedes andere. Benjamin Alire Sáenz spricht darin wichtige Themen wie Freundschaft und homosexuelle Liebe auf eine Weise an, die sie für jede*n Leser*in greifbar und verständlich machen. Ari hat seine Fehler: Er ist aufbrausend, manchmal verwirrt und versteckt sich vor sich selbst. Das macht es leichter, sich in ihn hineinzuversetzen.

Durch die vielen Dialoge kommt man im Buch rasch vorwärts und kann es kaum mehr zur Seite legen. Obwohl es ein Jugendroman ist, können auch Erwachsene sicher einiges daraus mitnehmen!


Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe kaufen

Aristotle and Dante Discover The Secrets of the Universe

Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe ist 2012 bei Simon & Schuster erschienen. Eine deutsche Übersetzung liegt noch nicht vor.

Erscheinungsdatum: 1.2.2012, 359 Seiten

Bei Orell Füssli kaufen: Fr. 19.90

 


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Ich bin die Gründerin von The Zurich Review. Im Anglistik-Studium habe ich Literatur gehasst; meine Leidenschaft dafür habe ich erst nach all der Pflichtlektüre wiederentdeckt. Wenn ich nicht lese, dann tanze ich, und zwar Irish Dance.

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