Das Lesen ist schön

Rezension: The Hate U Give

in Rezensionen von

46 Wochen ganz weit oben auf der New York Times Bestseller-Liste  für Jugendliteratur – das gelingt nicht allen Autor*innen! Doch Angie Thomas hat’s geschafft, und zwar gleich mit ihrem Debütroman The Hate U Give.

Wer The Hate U Give gelesen hat, wird sich darüber kaum wundern. Der Roman behandelt ernsthafte Themen wie Rassismus, Racial Profiling und Polizeigewalt auf eine herzerwärmende Weise, die ebenso zum Lachen wie zum Weinen anregt.

Eine unmögliche Wahl

Die Geschichte ist inspiriert von der Bewegung um #BlackLivesMatter. Die 16-jährige, schwarze Protagonistin Starr lebt in zwei Welten: Sie wohnt mit ihrer Familie in einem ärmlichen Viertel, wo sie inmitten von Gewalt, Schüssen und Drogenbanden aufwächst.

Tagsüber geht sie am anderen Ende der Stadt auf eine vornehme Privatschule und gibt sich unter ihren fast ausschliesslich weissen Mitschüler*innen völlig anders. Dort möchte Starr nicht auffallen und schon gar nicht so wirken, als komme sie aus dem Ghetto.

Doch als Starr eines Nachts zuschauen muss, wie ihr bester Freund Khalil von einem Polizeibeamten grundlos erschossen wird, ändert sich ihr Leben schlagartig. Khalil war unbewaffnet und hat dem Polizisten auch sonst keinen Anlass gegeben, auf ihn zu schiessen.

Starr ist die einzige Zeugin und nur sie weiss, was in jener Nacht wirklich passiert ist. Jetzt steht sie vor einer schwierigen Wahl: Zieht sie sich von der Trauer geplagt zurück oder entscheidet sie sich dafür, den Mund aufzumachen und Gerechtigkeit für Khalil zu fordern?

Starr Superstar

Die Handlung an sich verspricht schon sehr viel. Doch durch Starr erwacht die Geschichte zum Leben; sie ist eine grossartige Figur, die man sofort ins Herz schliesst. Der moralische Klinsch, in dem sich die 16-Jährige befindet, ist nachvollziehbar und realistisch. Und trotz der Tragik der Geschichte bringt einem Starr auch ab und zu zum Schmunzeln.

Ihre Entwicklung im Laufe des Romans ist bemerkenswert: In ihren zwei Welten hat sich Starr völlig verschiedene Verhaltensweisen angeeignet. Zuhause in Garden Heights ist sie die „schwarze Starr“, die sich laut gegen Polizeigewalt an Schwarzen ausspricht. In der Schule ist sie „Williamson Starr“. Diese Starr will möglichst nicht auffallen, nicht das „aggressive schwarze Mädchen“ darstellen, nichts sagen, und schon gar nicht laut.

Erst durch Khalils Tod bemerkt Starr, dass Rassismus auch im Alltag ein allgegenwärtiges Problem ist und ihr wird bewusst, wie viel sie sich eigentlich gefallen lässt – zum Beispiel von ihrer Freundin Hailey. Und so verschmelzen die beiden Starrs im Laufe der Geschichte immer mehr zu der einen, wahren Starr.

What’s the point of having a voice if you’re going to be silent when you shouldn’t be?

In The Hate U Give macht Angie Thomas viel mehr, als nur eine Geschichte zu erzählen. Mit der Stimme von Starr ruft sie uns alle, egal ob schwarz, weiss oder andersfarbig, auf, unsere Stimmen zu benutzen.

Rassismus ist nach wie vor ein verbreitetes Problem und jeder und jede von uns erlebt es im Alltag regelmässig. Doch allzu häufig werden rassistische Kommentare als „Kleinigkeiten“ vom Tisch gefegt und niemand traut sich, den Mund aufzumachen. Dabei sollten wir das Gegenteil tun.

Wir dürfen Rassismus, sei er noch so subtil oder geringfügig, in keiner Form und in keiner Situation akzeptieren. Tun wir es Starr gleich und wehren uns!


Lizenz Titelbild

Creative Commons: Johnny Silvercloud


The Hate U Give kaufen

The Hate U Give Cover

The Hate U Give ist in der englischen Originalfassung 2017 bei Balzer & Bray erschienen. Die deutsche Übersetzung folgte 2017 im cbt (Random House) Verlag.

Erscheinungsdatum: 24.7.2017, 512Seiten

Bei Orell Füssli kaufen: Fr. 27.90

 


Du möchtest mehr von mir hören?

Dann abonnieren den TZR-Newsletter! Er informiert dich über alle neuen Beiträge auf The Zurich Review. Abonniere ihn jetzt, um nie mehr etwas zu verpassen!


Ich bin die Gründerin von The Zurich Review. Im Anglistik-Studium habe ich Literatur gehasst; meine Leidenschaft dafür habe ich erst nach all der Pflichtlektüre wiederentdeckt. Wenn ich nicht lese, dann tanze ich, und zwar Irish Dance.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

Aktuelle Rezensionen

Nach oben